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Übungsfall 4

“Ein Bandwurm mit Folgen”

Der 60jährige Patient K litt an einem Bandwurm. Da die Philomaron-Bandwurmkur keinen Erfolg brachte, wurde bei der Visite vom angestellten Stationsarzt A mündlich eine Chloroform-Kur angeordnet. Die angewiesene Krankenschwester P versuchte  dem Arzt A durch Gebärden zu zeigen, daß ihr diese Kur unbekannt sei. Der nach 24 Stunden überarbeitete Stationsarzt bemerkte dies nicht. Er diktiert P müde und abgespannt die Verordnung wie folgt:

- für Sonntagabend 0,3 g Calomel,

- für Montag 5 ccm Chloroform durch die Duodenal-Sonde, eine halbe Stunde spater 0,3 g Calomel und anschließend Einläufe.

Die Schwester P. notierte in ihrem Visitenbuch was folgt:

- Sonntagabend 0,3 g Calomel,

- für Montag 50 ccm. Chloroform, durch Duodenal-Sonde, anschließend 0,3 Calomel, später Einläufe.

Am Sonntagabend erhielt der Patient K wie verordnet 0,3 g Calomel. Am Montagmorgen legte die Schwester dem Patienten die Sonde und spritzte durch die Sonde (entsprechend ihrer Notiz im Visitenbuch ) den ganzen Inhalt einer Chloroformflasche, also 50 ccm.

Der Patient K fing an zu transpirieren und zeigte eine leichte Benommenheit. Die Schwester P. hielt das für den normalen Verlauf. 20 Minuten später suchte sie den Arzt auf, der ihr entgegnete, daß das bei einer Chloroformkur immer so sei. Sollte sich aber nach 15 Minuten der Zustand nicht gebessert haben, müsse etwas unternommen werden.

Als die Krankenschwester P zum Patienten K zurückkehrte, gab sie ihm 0,3 g Calomel und entfernte die Sonde. Später nahm sie die verordneten Einläufe vor. Der Patient wälzte sich vor Schmerzen im Bett. Als sich K vor lauter Schmerzen krümmte, stieß er dabei einen am Bett stehenden Stuhl um, der P unglücklich vors Knie fiel.

Als der Arzt bei der nächsten Visite zum Patienten K kam, stellte sich durch Befragen der Schwester heraus, daß sie K entgegen der mündlichen Verordnung 50 ccm Chloroform gegeben hatte.

K hatte erhebliche Schmerzen. Er mußte wegen dem Vorfall 2 Wochen länger im Krankenhaus bleiben. Wegen dem Vorfall entstanden weitere Behandlungskosten.

Der Arzt A ist der Auffassung er müsse sich auf P verlassen. In keinem Fall sei ihm eine Kontrolle der Aufzeichnungen zumutbar. Er bezweifelt, daß die Beschwerden eine Folge des Behandlungsfehlers waren. Dies könne auch dem Bandwurm zuzuschreiben sein. P ist zudem der Auffassung, daß so etwas im Massenbetrieb schon mal passieren könne (“Wo gehobelt wird, fallen Spähne !”). Im übrigen hätte sie schon mehrfach angeregt, daß das Visitenbuch vom Arzt auf die Richtigkeit gegengezeichnet wird. Dies sei wieder nicht geschehen.

Patient K will unmittelbar nach dem Vorfall Schadenersatzsansprüche wegen Schmerzensgeld gegen die Krankenschwester geltend machen. P hatte infolge des umgefallenen Stuhls über einen Zeitraum von zwei Wochen erhebliche Schmerzen im Knie.

Kann der Patient K die Krankenschwester P wegen Schadenersatz und Schmerzensgeld in
 Anspruch nehmen ?
 
Nehmen Sie kurz dazu Stellung warum die Krankenschwester P gegen den Patienten K keinen Anspruch
auf Schmerzensgeld haben wird !
 
Hinweise:

Bitte prüfen Sie im vorliegenden Fall den/ die in Frage kommenden Ansprüche.

Nehmen Sie zu jeden in Frage kommenden Prüfungspunkt einer in Betracht kommenden Anspruchsgrundlage nach Möglichkeit mindestens mit einem Satz Stellung. 
 
Wichtig ist nicht Ihr Ergebnis sondern Ihre Argumentation !!!
 
zulässige Hilfsmittel:

- Gesetze für Pflegeberufe aus dem Fachhochschulverlag

- beigefügte Übersicht über gesetzliche und vertragliche Ansprüche