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Übungsfall 8 ( Variante )

 

Schwer daneben“     ( Variante )

 

Herr W aus L, 36 Jahre alt, ca. 189 cm groß, ca. 130 kg schwer wird am 1. Juni 2003 in das Krankenhaus K in L wegen einer akuten Appendizitis in die Chirurgie eingeliefert. Herr W wird noch am selben Tag notfallmäßig operiert. Die Operation verlief ohne größere Probleme. Der „Blinddarm“ wurde entfernt.

 In angemessener Zeit nach der OP betrat P das Zimmer des Patienten W und wollte diesen bei der Morgentoilette unterstützen. Sie half dem Patienten W beim Aufstehen. Sie setzte ihn auf die Bettkante. P hakte ihn unter und unterstützte die Aufwärtsbewegung des Patienten. Auf dem halben Weg zum Badezimmer kollabierte der Patient W. P war nicht in der Lage, W zu halten, so dass dieser seitwärts mit dem Kopf gegen die Wand stieß und zu Boden fiel. Wie sich der Vorfall genau zugetragen hat, kann weder der Patient noch die Schülerin genau mitteilen.

Durch den Sturz zog sich der Patient W eine schwere Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch zu. Infolge des Sturzes kam es zudem zu einem Narbenbruch der frisch operierten Wunde.

 Der Vorfall wurde mit der Pflegedienstleitung besprochen. In diesem Gespräch war Schwester P der Auffassung, dass der Vorfall unvermeidlich war. Für den Patienten W hätte sich ein allgemeines Lebensrisiko „eines Dicken“ verwirklicht. Der Patient W hätte mitteilen müssen, dass er noch nicht „so fit“ ist um aufzustehen.

Schwester P ist durchschnittlicher körperlicher Statur, 47 Jahre alt, Mutter von 2 Kindern (17 und 21) und seit über 15 Jahren in dem Krankenhaus als Stationsschwester angestellt. Bisher gab es keine Beanstandungen. Seitens der Kollegen wird Schwester P als engagiert, souverän und zuverlässig beschrieben. Schwester P erhält monatlich ein Nettogehalt in Höhe von ca. 2.200,- €. Nach Ansicht aller Beteiligten habe sich Schwester P in der Vergangenheit als Praxisanleiterin bewährt und es bestehe keine Veranlassung dazu, dies in Zukunft zu ändern.

 Der Privatpatient W will den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen. Er verlangt von der Schwester P Schmerzensgeld in Höhe von 3.000,- € und Ersatz der Behandlungskosten in Höhe von 10.000,- €.

 

Kann der Patient W die Schwester P wegen Ersatz der Behandlungskosten und Schmerzensgeld in Anspruch nehmen?